Ich denke, dass ich für fast alle Menschen spreche, wenn ich sage, dass Geschichtskurse manchmal etwas langweilig sein können. Genau so fühlte ich mich während meines Studiums zum Bachelor of Fine Arts. Damals hatte ich in diesem 300 – 400 Personen großen Vorlesungssaal dreistündige Vorlesungen zur Kunstgeschichte, und wie du dir vorstellen kannst, waren die meisten Studenten nicht immer für die gesamte Zeit wach. Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, gibt es Momente, in denen ich dankbar bin, einige Künstler, Bewegungen und Gruppen kennengelernt zu haben, auf die ich in meiner Arbeit oder im täglichen Gespräch verweisen kann. Aber leider gibt es auch einige Dinge, die ich gelernt habe, aber auf denen ich wie erwartet nicht mehr aufbaue.

Ich stelle es mir auch schwierig vor, das Reflektieren von früheren Zeiten der Kunstgeschichte in der heutigen Praxis zu bewältigen, da wir scheinbar nur nach vorne vordringen in die Tiefen des unendlichen Internets. Ein interessanter Punkt ist, dass es für viele Künstler gängige Praxis und gute Übung ist, ihre Werke auf den Schöpfungen voriger Künstler aufzubauen. Noch interessanterer sind jedoch vor allem diejenigen, die diese Praxis ausüben, aber gleichzeitig auch die Grenzen der Fine Art in der digitalen Welt vorantreiben.

Diana Smith ist ein ‘UI – Engineer’. Auf ihrer Website gibt sie an, dass sie eine CSS-Expertin ist, was meiner Meinung nach zu 100% richtig ist. Ihr Werk “Pure CSS Francine” ist eine handgefertigte Zeichnung eines klassischen Porträts aus dem 18. Jahrhundert – ausschließlich bestehend aus Code. Es fällt schwer zu glauben, dass dieses Portrait nur mit HTML und CSS erstellt wurde. Aber genau so ist es. Jedes einzelne Element von Pure CSS Francine wurde ohne jegliche Illustrationsprogramme oder sonstige Tools erstellt. Das bedeutet, dass das, was wir in unserem Browser sehen, vollständig aus Code besteht und in Echtzeit angezeigt wird.

Genau aus diesem Grund kann man nicht einfach ein Foto von Pure CSS Francine speichern (abgesehen von einem Screenshot ); alternativ hat Smith den Code für PCF der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In ihrem Github-Verzeichnis steht: “Pure CSS Francine – An ongoing series in which I create art using only CSS and HTML”. Sie fährt fort, indem sie ihre Regeln in welchen sie arbeitet – als eine Art Rahmenwerk – auflistet:

  1. All elements must be typed out by hand
  2. Only Atom text editor and Chrome Developer Tools allowed
  3. SVG use is limited, and all shapes can only use hand-plotted coordinates and bezier curves – without the aid of any graphics editor. (Note: at one point I was using one or two SVG elements but I eventually grew tired of them and they’ve since been deleted, so this rule no longer applies. No offence to SVG.)

Die Grenzen, die Smith für sich selbst gesetzt hat, scheinen ziemlich eng zu sein. Besonders, wenn man über die dahinter stehende Idee, durch Programmierung und Codierung ein Ölbild aus dem Jahr 1800 zu erstellen, nachdenkt. Und doch sehen wir, dass diese Grenzen durch das Ergebnis der PCF auf den Kopf gestellt werden.

Ich behaupte, dass dieses Werk allein schon beeindruckend ist. Aber als Programmierer wissen wir, dass HTML und CSS in älteren oder anderen Browsern sehr unterschiedlich aussehen kann – wegen der Art und Weise, wie der Code gelesen und dann angezeigt wird. Smith kommentiert das so: “Because of the artistic nature of this project I have not concerned myself with cross-browser-compatibility, so the live preview will most likely look laughable in anything other than chrome.”. Natürlich haben verschiedene Personen im Internet PCF in verschiedenen Browsern geöffnet, und so verschiedenen Ergebnisse gehabt. Wenn es in einer älteren Version von Opera geöffnet wird, sehen wir, wie sich PCF in ein verschmelzendes, dem Style von Salvador Dali-ähnlichem, Porträt verwandelt.

In Netscape Navigator sehen wir PCF zu einem kubistischen Porträt von Pablo Picasso rendern.

Diese Transformationen sprechen für die Geschichte der Kunst. Merkwürdig ist, dass diese Transformationen auch in direktem Zusammenhang mit der Geschichte des Internets stehen, wie Smith betont: “It’s like a mood ring”. Smith‘s Praxis dreht sich viel um Ausprobieren und Scheitern. Als sie gefragt wird, warum sie diese CSS-Bilder macht, antwortet sie:

“There’s no good reason other than fun, just because, and art”.

Ist das nicht eine schöne Perspektive, um Kunst in einer digitalen Welt zu schaffen? Ich persönlich bin gespannt, was für Smith und andere Künstler als nächstes kommt.

Zitate und einige Details aus diesem Motherboard-Artikel..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.